Fitness- und Gesundheitstraining

Es wird Zeit etwas zu verändern

Fitness- und Gesundheitstraining - Es wird Zeit etwas zu verändern

Wenn die Arbeit zur Droge wird …

Arbeit und SexWir sind ständig erreichbar, das Smartphone oder iPhone sind wichtiger als der Partner, vor Mitternacht werden noch kurz 30 Mails gecheckt, während kein Platz mehr ist für gelassene Mußestunden: Die Hochleistungsgesellschaft verlangt uns alles ab. In einem Stern-Artikel von Rüdiger Barth, der das neue Buch von Svenja Flaßpöhler, „Wir Genussarbeiter“, vorstellt, wird die Analyse der aktuellen Situation vieler Menschen vorgestellt und manch einer dürfte sich dabei wiedererkennen. Dabei wird deutlich, wie problematisch es ist, dass sich die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem nicht zuletzt dank der neuen Medien verwischt haben.

Mehr noch: Wir eifern mit Begeisterung dem Mehr und Schneller hinterher, sind multitaskingfähig, tun mehrere Dinge zur gleichen Zeit, merken dabei aber gar nicht, dass wir eigentlich unsere Freiheit einbüßen, obwohl wir freier sein könnten als je zuvor. Denn die Smartphones – so ist in dem brillanten Artikel zu lesen – sind die „Ketten der neuen Zeit“. Im Urlaub E-Mails abrufen, beim Spiel mit den Kindern immer mit einem Blick auf den Blackberry, ob nicht neue Messages eingehen – es ist ein ständiger Sog und was auf der Strecke bleibt, das ist die Muße, das Unbeschwerte und nicht zuletzt auch die Zeit.

Betrifft dies nur ein paar wenige, die in den Führungsschichten sitzen, einige Top-Manager für die Zeit immer noch Geld ist? Nein, macht uns der Artikel deutlich, es ist vielmehr der „überengagierte Mittelbau, der jeden Tag sein Bestes gibt.“ Svenja Flaßpöhler, die Autorin von „Wir Genussarbeiter“ hat dabei die These aufgestellt, dass eine Perversion der menschlichen Bedürfnisse eingetreten ist: Die Arbeit ist zum Genuss geworden und der Genuss zur Arbeit. Denn durch Arbeit suche der Mensch Befriedigung, was in „eine exzessive Lust“ ausarte, weil wir ständig nach der Anerkennung der Hochleistungsgesellschaft streben.

Es handele sich dabei um ein Massenphänomen, so Flaßpöhler weiter, denn immer krassere Leistungsanforderungen würden paradoxerweise mit dem eigenen Wollen verwechselt. In diesem Zirkel verliere der Mensch das Gespür für die eigenen Grenzen. Arbeit soll Selbstverwirklichung bedeuten, letztendlich werden darüber aber die eigenen Wünsche vergessen. Der Trick besteht darin, dass es nicht heißt „du musst noch“, sondern „du könntest noch“. In diesem Zusammenhang spiele auch die Triebverlagerung eine große Rolle, wobei die omnipräsente Pornographie die Sexualität entzaubere, so Flaßpöhler. Sogar die Tasse Tee werde zur „therapeutischen Genussübung“ – also instrumentalisiert, statt einfach genossen.

Tatsächlich ist es schwer, sich diesem Sog der multimedialen und immer erreichbaren Gesellschaft zu entziehen, die einen Einsatz rund um die Uhr verlangt. Demnach braucht es eine Revolution, wie Jürgen Barth, der Autor des Stern-Artikels, schlussendlich folgert, aber eines Tages werde sich der Mensch dieser Lügen entledigen und die Revolution, nämlich der Lebensgenuss als Gegenteil von Produktivität, wird siegen, meint Barth – vielleicht ironisch?

Im Anschluss an den Artikel findet sich ein Interview von Jürgen Barth und Nina Poelchau mit Silvia Flaßpöhler, TV-Moderator Jörg Pilawa, Manfred Pütz, Chefarzt am Alexianer-Krankenhaus in Köln, und Frau von Dewitz, Geschäftsführerin des Outdoor-Anbieters „Vaude“. Pilawa berichtet dabei von einer typischen Situation des neuzeitlichen Menschen: nämlich dass er sich eine mehrmonatige Auszeit nahm, aber als er in Neuseeland ankam und feststellte, dass kein Internet-Anschluss vorhanden ist, fast Amok lief. Die Arbeit kann zur Droge werden, sind sich fast alle Diskussionsteilnehmer einig, ein omnipotenter Zwang, der unsichtbare Ketten legt und uns vom eigentlichen Leben abschneidet.

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